YOU is always someone else - Exhibition

Show Info

Alexander Basile
YOU is always someone else

Photoszene Festival 2018 21.09.2018 till 06.10.218
Stefan Schuelke Fine Books
Palmstraße 14
Cologne

In seiner Ausstellung YOU is always someone else richtet Alexander Basile den Blick auf das
eigene Archiv aus den vergangenen zwanzig Jahren, um einen Dialog zu starten – zwischen den
eigenen Aufnahmen miteinander, aber auch zwischen den Betrachter*innen und ihrem
Bildgedächtnis, zwischen formalen, kompositorischen oder motivischen Momenten, die er durch
die einfachste Form der Collage, der Kombination von zwei Bildern, gegenüberstellt. Statt in einer
neuen Werkserie nach dem vielbeschworenen „Neuen“ zu suchen, sucht er es in dem, was schon
da ist, und öffnet eine neue Blickweise auf das Vorhandene.
So wie Basile in seiner Arbeit keine Trennung zieht, zwischen freien Projekten und
Auftragsarbeiten, inszenierten Werbekampagnen und flüchtigen Handyfotos, Dokumentarfilm oder
experimentellem Versuch, verschwimmt in den Arbeiten der neuen Serie Plates (Archive 1998 -
2018) auch die Grenze zwischen den verwendeten Techniken: Aufnahmen mit der Großbildkamera
– das Werkzeug der erhabenen, nüchtern-dokumentarische Architekturfotografie, die dank Bernd &
Hilla Becher und ihren Schülern den Weg in die Kunst gefunden hat, trifft auf Digitalfotografie,
Handy-Snapshots auf Kleinbildästhetik. Basile befreit die Formate aus ihren Schubladen und bricht
mit der Erwartung an Auftragsarbeit versus freie Kunst – das Foto steht im Vordergrund, nicht sein
Zweck.

Immer entsteht durch die Überlagerung zweier Bilder ein neues Bild. Auf einmal erkennt man die
Ähnlichkeit zwischen dem Tattoo eines Mädchens und dem Graffiti auf einer Häuserwand in New
York City. Hier kommt auch der Titel der Ausstellung ins Spiel. YOU is always someone else ist
angelehnt an den Titel eines Dokumentarfilms über den niederländischen Künstler Bas Jan Aders,
Here is always somewhere else, der sich in seinem Werk bis zu seinem frühen Tod mit der Frage
nach der Identität und der Suche nach dem Platz in der Welt beschäftigte. Basile adressiert mit der
Betonung auf YOU den Shift zwischen zwei Perspektiven – das Gegenüber, aber auch die eigene
Person, die immer wieder neu sieht und neu gesehen wird.
Das Prinzip der Collage durch Überlagerung und der Auseinandersetzung mit dem eigenen Archiv
setzt Basile auch im zweiten Teil der Ausstellung fort. In der Buchinstallation kombiniert er
Fotobücher aus seiner Sammlung, die für seine Arbeit und sein Verständnis von Fotografie
prägend waren, mit eigenen Fotografien, sucht nach Bezügen und Verwandtschaften und lässt die
Bilder erneut in Dialog treten. Statt seine Referenzen und Einflüsse als Künstler zu verschleiern
werden sie Teil einer Arbeit und geben gleichzeitig Anstoß für eine Betrachtung des Mediums
Fotografie und der Wandlungen und Entwicklungen, die dieses im Laufe der letzten dreißig Jahre –
aus dieser Zeit stammen die ausgestellten Bücher – vollzogen hat. Der Übergang von analog zu
digital, von Film zu Chip, von subjektiv zu objektiv, vom 90er-Jahre-Look zu dessen Revival. Ein
kurzes Kapitel, wenn man die 185-jährige Geschichte der Fotografie betrachtet, aber eins, in dem
sich das Medium neu erfunden hat.

Text: Leonie Pfennig
Ausstellungsansichten: Niels Mlynek

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